Bochum: Das Vorhaben STAR („Schule trifft Arbeitswelt“) hat zum Ziel, (schwer)behinderten Jugendlichen den Weg von der Schule in die Arbeitswelt zu erleichtern und zu begleiten. Im Integrationsfachdienst Bochum/ Herne sind 2 Mitarbeiterinnen als sogenannte „Case - Managerinnen“ beschäftigt.
Eine davon, Jutta Gröning, kümmert sich speziell um die Belange der hörbehinderten Jugendlichen. In enger Kooperation mit der Förderschule für Hören und Kommunikation, der „Schule am Leithenhaus“ in Bochum-Langendreer, den zuständigen FachkoordinatorInnen beim LWL-Integrationsamt sowie der Arbeitsagentur berät und begleitet sie Schüler und Schülerinnen der Klassen 8 bis 10. Neben dem Hauptschulzweig für hörbehinderte Jugendliche gibt es an der Schule auch eine Abteilung für hörbehinderte Jugendliche, die zusätzlich lern- oder geistig behindert sind. Das Vorhaben STAR möchte verhindern, dass diese Jugendlichen von vorn herein für eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) vorgesehen werden. Vielmehr soll ermittelt werden, ob einzelne nicht doch eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben.
Der Schüler Max ist ein solcher Fall. Er trägt Hörgeräte, durch die er noch Geräusche und Wortfetzen hört, benutzt jedoch lieber die Gebärdensprache, da er gesprochene Sätze nur sehr unvollständig erfassen kann. Im Fachjargon heißt das, er ist „an Taubheit grenzend schwerhörig“; ohne Hörgeräte ist er taub. Er war bis zur 8. Klasse in der Abteilung für zusätzlich lernbehinderte Schüler. Hier hatte er jedoch enorme Motivationsprobleme und zeigte aggressives Verhalten. Er wurde in die Abteilung für geistig behinderte Schüler versetzt, weil man davon ausging, dass er kognitiv überfordert wäre. Zusätzlich zum theoretischen Unterricht werden die Schüler hier ein bis zwei Mal pro Woche in Schülerfirmen eingesetzt, wo sie praktisch arbeiten. Max arbeitet nun seit einem Jahr in einer solchen Schülerfirma. Von dort bekommt er überaus gute Rückmeldungen; er verstehe Arbeitsanweisungen sofort, arbeite zügig und gewissenhaft, sein Sozialverhalten sei tadellos.
Max hatte sein erstes Schülerpraktikum, wie alle in der Abteilung, in einer WfbM absolviert. Auch hier wurden seine Auffassungsgabe und sein praktisches Geschick hervorgehoben.
Der IFD-Mitarbeiterin Frau Gröning ist es nun gelungen für das 2. Schülerpraktikum einen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu akquirieren. Wohnortnah wurde ein Betrieb gefunden, der bereit ist, Max für insgesamt zwölf Wochen einen Praktikumsplatz anzubieten. Es handelt sich um eine Werkstatt für Rohrleitungsbau, die in ein Lager integriert ist. Max kann hier typische Lagerarbeiten sowie unterschiedliche Montagearbeiten kennen lernen. Zwei Probetage dort hat er schon absolviert. Der Werkstattmeister hat ihm gleich am ersten Tag einen Arbeitsauftrag gegeben. Max hat nach einer kurzen Arbeitseinweisung, die am 1. Tag von Frau Gröning in Gebärdensprache übersetzt wurde, selbstständig Montagearbeiten ausgeführt. Nach den zwei Tagen lobte der Meister Max in höchsten Tönen, Max selbst strahlte über das ganze Gesicht. Arbeiten macht ihm offensichtlich sehr viel Spaß.
Sein Praktikum beginnt nun nach den Sommerferien und dauert bis Weihnachten. In der Zeit kann er viel lernen. Der Betrieb hat schon angedeutet, dass man schauen möchte, ob er nicht doch für eine Ausbildung in Frage käme.
Sollte Max eine Chance erhalten später in dem Betrieb ausgebildet oder beschäftigt zu werden, dann wird die IFD-Mitarbeiterin entsprechende Fördermöglichkeiten eruieren und klären, ob technische Hilfen die Zusammenarbeit noch erleichtern können.
Das Wichtigste ist zunächst, dass nicht der Automatismus „geistig- und hörbehinderte Menschen in die WfbM“ zum Tragen kommt, sondern dass sorgfältig geprüft wird, ob nicht im Einzelfall ein hörbehinderter und geistig behinderter Jugendlicher auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gute Leistungen in der praktischen Arbeit bringen kann!